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Nachts in einer zwielichtigen Kneipe in Kiel. An der Theke sitzt ein Handball-Nationalspieler und unterhält sich mit Freunden. Neben ihm steht eine junge Frau, die immer wieder aufgeregt zu ihm rüber schaut. Schließlich sagt sie zu ihrer Freundin: „Wir sind doch auf Instagram befreundet! Warum sagt er denn nicht Hallo?“

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Offenbar sind nicht alle Leute so glücklich mit dem Neubau für die Juristische Fakultät, wie an diesem Plakat an der Baustelle zu lesen ist. Die Stilebene der Wortmeldung lässt eindeutig auf Angehörige der Universität schließen, nur dort drückt man sich so gewählt aus.

Institut für Hurensöhne

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Evolution und Auslese und so, das sind ja ganz spannende Dinge. Gerade, wenn man sie live und in Farbe miterleben kann. Heute hab ich zum Beispiel zwei Typen gesehen, die mit ihrenTrinkhörnern Brüderschaft tranken und sich dabei gegenseitig fast die Augen ausgestochen haben.

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Wo ich neulich in der Heimat war, hab ich einen alten Kollegen besucht. Und wie ich so mit ihm und seiner Frau – sie hochschwanger, er hochzufrieden – beim Tee zusammensitze, fällt mein Blick auf ein unscheinbares Büchlein, dass ganz unauffällig neben den beiden auf dem Sofa liegt. Das hässlich eingebundene Machwerk trägt den Titel „Die gute Ehe“, oder genauer: „Die gute Ehe“.

„Daher also weht der Wind“, denke ich mir und lasse es mir nicht nehmen, ein wenig darin herumzublättern, allem inneren intuitiven Widerstreben zum Trotz.

Das Buch ist im Bertelsmannverlag erschienen und stammt grundsätzlich aus dem Jahr 1959. Die mir vorliegende Ausgabe wurde allerdings 1962 gedruckt, und zwar in der 14. Auflage. Muss also gut sein, das Buch. Kann gar nicht anders. Ich habe aber, ehrlich gesagt, trotzdem nicht wirklich Bock,  tiefer in die Materie einzusteigen.. Ein Blick ins Vorwort und das Inhaltsverzeichnis lässt einen echt gruseln und genügt eigentlich schon.

Im ersten Teil dieses beliebten Ratgebers geht es um die Ehe im Allgemeinen. Hier finden wir so wunderbare Kapitelüberschriften wie „Ehe und Alltag“, „Schwierigkeiten und Krisen in der Ehe“, „Der eigene Hausstand“ und dem Abschnitt „Ehe und Beruf“ sind so wunderbare Unterkapitel wie „Die Hausfrau“, „Putzteufel oder Schlampe“, „Die berufstätige Ehefrau“ und „Der lebensuntüchtige Mann“ zugeordnet.

Im zweiten Teil des Buches gehts es dann ganz profan ums Bumsen (hier auch „die geschlechtliche Vereinigung“ genannt). Neben präzisen Beschreibungen der Geschlechtsteile und einer besonderen Berücksichtung der „Brautnacht“ ist auch jedem Monat der unweigerlich folgenden Schwangerschaft ein eigenes Kapitel gewidmet:

Der dritte Teil ist dann aber schließlich besonders spannend. Es beginnt mit einem Kapitel über Gleichberechtigung und endet mit ausführlichen Texten über Scheidung, lässt zwischendurch aber auch das Thema „Elterliche Gewalt“ nicht aus. Alles dabei.

Zum Schluss möchte ich dann aber doch noch mal in den ersten Teil des Machwerks zurückspringen. Ein wenig geschmökert habe ich dann nämlich doch, und zwar im Kapitel „Eheähnliche Verbindungen und Formen der Ehe“. Denn Bezeichnungen wie „Kameradschaftsehe“ oder „Onkel-Ehe“ hatte ich noch nie gehört. Ihr?

„Unter Kameradschaftsehe versteht man auch eine […] Ehe, in der aus freier Übereinkunft, etwa wegen Krankheit […] oder Impotenz […], auf den Geschlechtsverkehr verzichtet wird. Die katholische Kirche kennt die sogenannte Josephs-Ehe, auch Engelsehe oder Keuschheitsehe genannt.“ (S.123)

Oder auch:

„Die Onkel-Ehe hat als besondere Erscheinung der Nachkriegszeit Anlaß zu sehr lebhaften Diskussionen gegeben. Sie bezeichnet das ehelähnliche Verhältnis einer Rente oder Pension beziehenden Witwe mit einem Partner, den sie nicht heiratet, weil sie bei einer Wiederverheiratung ihre Bezüge verlieren würde. Sie lebt mit diesem Partner oft in der gleichen Wohnung. Für die Kinder ist dieser ‚verhinderte‘ Stiefvater der ‚Onkel‘ […]. In weiten Kreisen verurteilt man die Ehe als offensichtliches Konkubinat und verlangt, dass der Staat drakonisch dagegen einschreite. Andere wieder versuchen sie zu entschuldigen und geben dem Staat die Schuld daran, daß solche Onkel-Ehen überhaupt möglich sind. […] Wohl alle Beurteiler aber sehen die Onkel-Ehe als einen unwürdigen Zustand an […].“ (S.123-124)

Man sollte sich die Rechte an der Theater- und Musical-Umsetzung dieses Buchs sichern. Dringend.

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(Im folgenden Beitrag befinden sich Produktplatzierungen, die für das Orakelwerk notwendig sind und leider nicht vergütet werden. Finanziell gesehen kein gutes Omen für das neue Jahr.)

Liebes Orakelpublikum, hier ist es wieder, das allseits beliebte und berüchtigte Termos-Taten-Silvesterorakel!

Aber ach ach. Ich bin faul. Und mir ist nach Humor. Und garstig bin ich gelegentlich auch. Das kann eine aussätzige Mischung sein. Ich habe natürlich wieder lange darüber meditiert, wie ich heuer für euch die Zukunft voraussage. Wieder klassisch Bleigießen? Traditionell Tarot-Karten legen? Die eine oder andere Rune werfen? Aus meiner unfertigen Doktorarbeit vorlesen?

Ich habe mich am Ende wieder für eine Variante entschieden, in der ich euch nicht die Deutung eines Omens, wie  bei einer Karte oder einem Bleiklumpen, anbiete, sondern für eine der Methoden, in der ich meine Kräfte in eine mystische Quelle leite und dort eine individuelle Textstelle für euch Finde. Und diese Textstelle präsentiere ich euch erst einmal nackt und ihr müsst selber mal schauen, was sie für euch bedeuten könnte. Auf Rückfrage gebe ich da natürlich auch Hilfestellung. Bisschen faul halt.

Der Faulheit nicht genug und diesmal gepaart mit dem Sinn nach Humor und einer gewissen Garstigkeit: Die Entscheidung für den Orakeltext fiel schlicht auf einen Schmöker, in dem ich sowieso gerade herumlese. Und dessen prophetisches Potenzial ich jahrelang vollkommen übersehen habe. Fahrlässig, aber es ist nie zu spät.

Ich entschied mich für ostfriesische Märchen und Erzählungen, in diesem speziellen Fall repräsentiert  durch das Buch „Märchen und Schwänke aus Ostfriesland“ von Jurjen van der Kooi und Theo Schuster (Leer 1993). Gutes Ding.

Der Stoff bringt es allerdings mit sich, dass die thematische Breite des Materials bei aller Variabilität doch etwas eingeschränkt ist. Wundert euch also im Zweifel nicht über gewisse  oberflächliche Ähnlichkeiten in den einzelnen Sprüchen, es geht halt viel um Gott, den Teufel, die See, Alkohol, Westfalen und Leute namens Jan.

Meine Methode ist wie üblich simpel beschrieben, aber schwer durchzuführen. Ich habe mich mit geheimen und unsagbar schwierigen und Disziplin erfordernden okkulten Techniken in Trance versetzt und so durch die mystische Linse in Form des Märchenbuchs die Weisheit der alten Friesen angezapft. Dabei ist für jeden Einzelnen ein maßgefertigter vielschichtiger Orakelspruch dem Buch entsprungen. Niederdeutsche Passagen habe ich, der allgemeinen Verständlichkeit wegen, übersetzt – mal eher wörtlich, mal eher sinngemäß. Und falls jemand das konkrete Textumfeld nachlesen will, habe ich sogar die Seite im Buch jeweils angegeben. Termo ist sehr serviceorientiert.

Also dann. Prost Neujahr euch allen. Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg im neuen Jahr.

[Den gesamten Eintrag lesen…]

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Von drauß vom Weihnachtsmarkt komm ich her
Ich muss euch sagen, da will ich nicht wieder hin.
All überall auf den auf den Tannenspitzen
Hatten die Leute einen sitzen.
Und zuhause war die Raclettepfanne kaputt.
Sicherung raus und so.
Frohe Weihnachten und spute dich schnell.

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Weihnachtszeit ist „Nachts rufen besoffene Bekloppte bekloppte Schimpfwörter in den Kieler Straßen“-Zeit. Aktuelle Perlen: „Schwanzpimmel“, „Schlickficker“ und „Arschgemächt“. („Das heißt Arschgesicht!“ – „Kann man bei dir eh nicht auseinander halten!“)

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Ich war neulich bei einer meiner ehemaligen Mitbewohnerinnen und ihrem Mann zu Besuch. Und da hing dann auch gleich der Haussegen schief. Als wir nämlich von einem kleinen Außeneinsatz in die Wohnung zurückkehrten, begegneten wir im Treppenhaus einem jungen Pärchen. Man grüßte sich freundlich und jeder zog weiter seines Weges. Als jedoch die Haustür hinter uns in Schloss gefallen war, zogen finstere Wolken auf:

„Hast die gesehen? Das ist so’n neu eingezogenes Pärchen. Wenn ich sehe, dass die auf’m Sonntag Sport machen, während wir uns auf dem Weihnachtsmarkt die Hucke vollsaufen, dann kann ich die schon gleich nicht leiden!“

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Im Radio wurde gerade eine Sendung mit folgenden Worten angekündigt: „Gleich nach den Nachrichten geht es um das unglaublich schlechte Image des Teufels.“ Und zum Ende der Teufelssendung bewarb man dann die nachfolgende Gesundheitssendung mit: „Und von der Hölle geht es dann gleich direkt weiter zu den Hämorrhoiden.“

Da weiß ich, dass meine Rundfunkgebühren gut angelegt sind. Nicht für so’n Quatsch wie „Tatort“ oder Fußballweltmeisterschaft.

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Zu einem meiner Lieblingsplätze in der Universität hat sich ja mittlerweile die Cafeteria in der Zentralbibliothek entwickelt. Dieser Ort scheint zu einer Art neutralem Hafen geworden zu sein, von jeder hinkommen kann und sagen darf, was er will und wo es ihn auch nicht schert, wer das alles zu hören kriegt.

Ich wunderte mich zum Beispiel, warum sich neulich zunehmend die plumpe Witze reißende Jogginghosenfraktion ausgerechnet immer mehr in der Bibliothek zusammenrottete. Bis ich eines Abends kurz vor Toresschluss (da gibts immer die Restbrötchen billig) mit einem Ohr mitbekam, wie einer dem anderen erklärte, dass Frauen, die viel lernen, weniger Selbstvertrauen haben. Daher seien sie leichter „klarzumachen“. Ob dieser Plan in der Bibliothek von Erfolg gekrönt war, ließ sich aber nicht mehr feststellen. Irgendwie hatte es sich nämlich rasch wieder ausgejogginghost.

Auch gut war eine Truppe von mutmaßlichen Jura-Studierenden (will ich aber nicht beschwören). Die Jungs unterhielten sich lautstark über die Vorteile von Ritalin und spekulierten darüber, wie sie wohl an die nächste Dosis kommen würden. Dabei fiel folgender denkwürdiger Satz: „Ich frage einfach mal meinen Hausarzt. Dass ich keine Lust zum Lernen habe, zeigt ja eigentlich schon, dass ich krank bin. Dann muss er mir das ja eigentlich verschreiben, oder?“ Nun…

Erheiternder war da schon eine Gruppe junger Frauen, die sich offensichtlich nach der vorlesungsfreien Zeit zum ersten Mal wieder traf. Das war ein Gejuchze und Gekicher, Geqietsche und Geknutsche. Und dann fingen sie an, sich auszuziehen, um ihre Bräunungsstreifen aus den jeweiligen Urlaubsreisen zu vergleichen. Wo auch, wenn nicht in der Cafeteria?

Aber auch das Lehr- und Forschungspersonal kommt in den heiligen Hallen der Bibliothekscafeteria gerne zusammen. Das ist zwar in der Regel nicht so witzig, ersetzt aber so manche Vorlesung. Kürzlich habe ich während eines kleinen Kaffees eine Menge über Luther-Editionen gerlernt. Oder über das Ende des Osmanischen Reichs und die altgriechischen Wurzeln des Namens Instanbul.

Der wirkliche echte Humor hält aber sowieso erst dann Einzug, wenn die Studentenwerksmitarbeiter aus der Vorratsabteilung über den kleinen Raum herfallen, um Nachschub zu bringen. Die beklagen sich nämlich dann fortwährend, wie schwer sie es haben. Jüngst musste einer Der Männer zu Boden gehen, um einen Kühlschrank mit neuen Fressalien zu bestücken und sagte dabei in Mitleid erregendem Tonfall: „Ach ach. Jetzt muss ich mich bei der Arbeit auch noch hinknien.“ Sagt der andere: „Nur hör auf zu jammern, das machst du doch gerne. Wie zuhause bei deiner Frau.“

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Ich treibe mich ja immer mal wieder in Berlin herum, um einen kleinen Perspektivenwechsel zu bekommen. Diesen Perspektivenwechsel hatten wohl auch die Metaller in der Wikingerkneipe gegenüber vollzogen, die mich jüngst mitten in Nacht weckten, weil sie gemeinsam lautstark „Africa“ von Toto grölten. Nun denn. Elk sien Möög.

Schön fand ich auch, den kleinen Jungen und das kleine Mädchen, die ich auf der Straße traf. Sie waren sehr vertieft in ein Gespräch über das Verhältnis von Mädchen und Jungs. Sie plapperten und plapperten und er wollte dann schließlich einmal konkrete Zahlen haben und forderte sie auf: „Sag mal alle Jungs aus deiner Klasse, die du mindestens ein Prozent magst!“

Sie verfiel in Schweigen, legte die Stirn in Falten und überlegte. Und überlegte. Und überlegte. Und überlegte…

Da sieht man, dass „Men are Trash“ offenbar schon sehr früh beginnt…

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Steht ein Linguistikprofessor im Supermarkt vorm Nudelregal und murmelt: „Ich kann mich nicht entscheiden, sie haben alle so schöne Diminutive.“

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„Im Sechzehnmeterraum geht’s rund. Da wird ein bisschen, gezogen, da wird ein bisschen gefummelt – scheint den Jungs irgendwie Spaß zu machen.“

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Deutschland fliegt in der Vorrunde aus der WM. Hätte zumindest den Vorteil, dass es keinen Autokorso gibt.

Geweckt wird man in der Nacht trotzdem. Und wodurch? Durch einen einzelnen besoffenen Mann, der draußen auf der Straße erbarmungswürdig singt: „Europapokal! Europapokal!“

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„Wir hatten uns von dem Spiel etwas mehr erwartet. Das ganze ist ein bisschen wie eine Pilcher-Verfilmung. Da wird ein bisschen herumgefummelt, aber mehr passiert dann auch nicht.“

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Seitdem ich neuerdings Fußball wieder über Antennenfernsehen gucke (die neueste Variante ist, glaub ich, DVB-T2), bin ich auf einmal der erste in der Reihe derer, die das TV-Signal empfangen. Es ist sehr schön zu hören, wie sich der Jubel oder das Entsetzen wellenartig durch die Nachbarschaft verbreitet. Da gibt es die Leute von nebenan, die nur etwa zehn Sekunden in Verzug sind. Ein Stückchen weiter weg ist eine Gruppe beheimatet, die so um und bei dreißig Sekunden Verzögerung ertragen muss. Und irgendwo in der Ferne hört man dann die armen Seelen, die eine Minute hinterher sind.

Ob man wohl, wie beim Gewitter, durch Sekundenzählen die Entfernung abschätzen kann?