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Wochenmarkt ist ja leider auch immer so unangenehme Erfahrung: Früh morgens, Menschenmassen und dazu kriegsähnliche Zustände. Wenn ich mich einmal auf einem Wochenmarkt wiederfinde, dann nur, weil ich durch Umstände dort ungeplant hineingeraten bin.

Ich meine, eigentlich ist das ja nicht so ne schlechte Sache. Frische Waren und so, direkt vom Landwirt oder Apfelzüchter. Mein subjektives Gefühl entspricht allerdings immer eher dem eine Labyrinths in einem Dungeons&Dragons-Spiel. Irgendwie durchkommen und überleben, nur gibt es nichts zum plündern.

Neulich fand ich mich am frühen Morgen in der Situation wieder, dass zwischen der Bushaltestelle, an der ich gerade ausgestiegen war, und dem Ort eines Termins, zu dem ich unterwegs war, ein ausgedehnter Wochenmarkt lag. Gut, natürlich hätte ich einen Umweg nehmen und drumherum gehen können. Aber man denkt sich dann ja doch immer: „Ich gebe doch jetzt nicht jeder kleinen Sozialphobie nach! Wo kommen wir denn da hin?“

Also mit den richtigen Strategie quer durch. Man darf nicht zu langsam gehen, damit man nicht zu interessiert an irgendeiner Auslage erscheint, aber auch nicht zu schnell, weil man dann unangenehm auffällt. Und meistens kann man auch gar nicht allzu schnell laufen zwischen den Menschen.

Noch bevor man aber den eigentlichen Wochenmarkt betreten hat, ist in der Regel das erste Hindernis zu überstehen. Man wird von einer oder mehreren Personen mit selbstgemachter Musik beschallt, gerne von Akkordeon oder Flöte, manchmal Drehorgel. Ungeachtet der Qualität wird man erst mit erwartungsvollem Hundeblick belegt und dann mit vorwurfsvoller stiller Verachtung überschüttet, wenn man entkommen ist.

Auf dem Markt selber hat man es dann mit zwei Sorten von Gegnern zu tun: Den Verkäufern und den Kosumenten. Das Überleben ist nur möglich, weil diese beiden Gruppen nicht gemeinsam gegen einen vorgehen, sondern vor allem miteinander zu tun haben. Die Verkäufer sind dabei ganz unterschiedlichsten Typs. Am unheimlichsten finde ich es immer, wenn man versehentlich den Blick eines Schlachters auffängt, der überlegen und herausfordernd auf seinem großen Berg toter Tiere hockt und einem zu sagen scheint: „Dich krieg ich auch noch.“

Auch eine besondere Spezies sind die sehr spezialisierten Händler. „Na? Willst du Honig? Jeder will Honig! Kauf meinen Honig! Meine Bienen sind die Besten.“ Gefährlich ist aber die Masse still miteinander verbündeter Verkäufer, die alle die gleiche unsinnige Ware in rauen Mengen und überprominent in ihre Auslage haben, damit die Laufkundschaft auf jeden Fall begreift, dass man das Zeug unbedingt benötigt und besser auf Vorrat kauft. Ich ertappte mich neulich selber bei dem gefährlichen Gedanken: „Oh super! Heute Mittag mache ich eine schöne herzhafte Tannengrünsuppe. Und morgen auch! Und übermorgen auch.“

Bösartiger sind aber die Besucher des Marktes, nicht die Verkäufer. Trotz großer Vorsicht wurde ich neulich zweimal mit einem Rollator angefahren. Und einmal bekam ich sogar Anschiss dafür, dass die ältere Dame mir in die Hacken gefahren war. Um zu überleben, muss man eiskalt die Schlacht zwischen der Laufkundschaft und der Händlern oder zwischen den Kunden untereinander ausnutzen. Wenn zum Beispiel eine ältere Dame moniert, dass in der letzten Woche eine Kartoffel nicht gut gewesen sei, dann sind viele destruktive Energien ein paar Momente gebunden.

Eine gefährliche Ecke habe ich neulich rasch überbrücken können, weil eine gut gekleidete Dame mittleren Alters offenbar nicht zusammen mit dem gemeinen Volk die Ware von der Verkaufsseite der Stände begutachten wollte, und daher um den Stand herum ging und sich zur Prüfung der Produkte neben den Händler stellte. Dieser war zunächst verdattert, aber die anschließende aufsehenerregende Empörung konnte ich geschickt nutzen, um den Endboss zu umgehen. Beim Verlassen des Marktes hörte ich nur noch in der Ferne: „Was würden Sie denn sagen, wenn ich einfach so früh morgens durch Ihr Wohnzimmer laufen würde?“

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„Ich habe dir ein kleinkariertes Hemd gekauft. Das ist so kleinkariert, dass man auf Entfernung gar nicht sieht, dass es kleinkariert ist. Erst, wenn man nah dran ist. Ich dachte, das passt zu dir.“

Danke, Mutter.

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Man braucht ja immer was, um sich von anderen abzugrenzen. An der Uni ist man dem Druck, diese Abgrenzung immer darzustellen, ganz besonders ausgesetzt. Man muss nicht nur unmissverständlich zur Schau stellen, dass man nichts dem gemeinen Plebs von der Straße zu tun hat. Es ist sogar noch wichtiger, fortwährend alle wissen zu lassen, dass man auch innerhalb der Uni bzw. der akademischen Welt zur Elite gehört. Jedes Fach ist natürlich das einzig Wahre. Nur die Mediziner halten sich da raus, die haben da keine Zeit zu.

Je geringer die Aussichten auf ein fürstliches Salär im späteren Berufsleben sind bzw. je größer die soziale Isolation und Mobberei vor der Aufnahme des Studiums waren, umso höher ist die Chance, auf ganz wunderliche Stilblüten dieser Abgrenzung zu stoßen.

Heute zum Beispiel der junge Kerl in der Uni-Cafeteria. Einer meiner Favoriten der letzten zehn Jahre. Statt „einen Moment bitte“ oder „eine Sekunde bitte“ oder „sofort“ oder dergleichen sagte er immer „ein Sekundus“.

„Hast du was zum Schreiben?“ – „Ja, ein Sekundus bitte. Hier hast du was.“
„Willst du noch einen Kaffee?“ – „Ein Sekundus, ich muss noch austrinken.“
„Wir gehen schon mal rüber, was ist mit dir?“ – „Wenn ihr ein Sekundus wartet, dann komme ich gleich mit.“

Ich hätte noch stundenlang zuhören können.

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Heute hat schlussendlich mein alter SonntagsReport-Kugelschreiber seinen Dienst quittiert. Fast fünfzehn Jahre nach meinem Ausscheiden aus der Redaktion dieses kleinen ostfriesischen Wochenblatts.

Sonntagsreportkuli
Nicht, dass ich ihn in den vergangenen Jahren allzu häufig benutzt hätte. Er versah zuletzt seinen Gnadendienst in meiner Küche, verweilte dort geduldig bis zu seinen kurzfristig angesetzten Einsätzen in seiner „Ich-brauche-eben-schnell-was-zum-Schreiben“-Dose. Interessanterweise teilte er diese Unterkunft lange mit einem meiner letzten Rheiderland-Zeitung-Notizblöcke, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Hauptaufgaben des verdienten alten Kugelschreibers bestanden in seinen letzten Jahren überwiegend darin, spontane Notizen bei Telefongesprächen zu erstellen, gelegentlich Briefumschläge mit Adressen zu versehen und vor allem meine regelmäßigen krachenden Niederlagen beim Kniffel fein säuberlich festzuhalten. Für Glückwunschkarten oder handgeschriebene Nachrichten war jedoch nicht mehr gut genug. War es vielleicht nie gewesen.

Bei aller Nostalgie und der angemessenen Erherbietung muss man aber auch sagen: Er stand nie in der ersten Reihe. Er war ein bisschen wie ein Fußballprofi, der zeitlebens bei ein und demselben mittelmäßigen Club spielt, es dabei aber niemals schafft, einen Stammplatz in der ersten Elf zu ergattern und trotzdem als zuverlässiger Mitspieler geschätzt und von den Fans geliebt wird. Einer, der immer zur Stelle war, wenn man ihn brauchte.

Denn schon zu Zeiten in der Redaktion hatte ich andere Favoriten, wenn es ans Notieren ging. Aber wenn die jeweilige Stammkraft nicht zugegen war, da half der SonntagsReport-Kugelschreiber mir aus. Ich bin mir zum Beispiel ziemlich sicher, dass er bei diesem Ortstermin aktiv dabei war.

Nach meinem Wechsel zu anderen Medien konnte ich ihn natürlich nicht mehr offen einsetzen. Erst, nachdem ich zurück an der Uni war, fand er gelegentlich wieder seinen Weg von der Ersatzbank in der Federtasche ins Licht Öffentlichkeit. Aber irgendwann nach meinem letzten Umzug entschied ich schließlich, ihm das ewige Herumreisen zu ersparen und ich platzierte ihn in meiner Küche. Doch auch dieser Tätigkeit ist er nun nicht mehr gewachsen. Wer will es ihm verübeln, nach all den Jahren.

Vielen Dank, lieber SonntagsReport-Kugelschreiber. Ich habe dich schon ersetzt.

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Kieler-Woche-Zeit ist Bekloppte-Bemerkungen-Belauschen-Zeit.

Heute: „Ellen! Ellen! Ellen! Ellen! Ach, das ist ja gar nicht Ellen. Steve! Steve! Steve! Steve!“

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Kieler-Woche-Zeit ist Bekloppte-Bemerkungen-Belauschen-Zeit. 

Heute: „Nee, hier kaufe ich keine Hotdogs! Bei Ikea sind die fuffzich Zent billiger!“ 

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Logik ist ja nichts Absolutes oder Feststehendes, wie wir ja alle wissen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass es ganz viele verschiedene Sorten von Logik gibt, die aber ausnahmslos unwiderlegbar sind. Prominente Beispiele sind Diätlogik („Ein geschnittener Kuchen hat weniger Kalorien als ein ganzer Kuchen“), Studentenlogik („Wenn ich mich einfach nicht beim Dozenten melde, dann ist er Schuld an allem und ich kriege den Schein geschenkt“), Reichsbürgerlogik („Hab ich auf YouTube gesehen, ist also die Wahrheit“), Autofahrerlogik („Hier ist Platz, also darf ich hier parken“), Fahrradfahrerlogik („Wenn es dunkel ist und mein Licht nicht geht, darf ich auf der falschen Straßenseite auf dem Fußweg fahren, sofern ich mindestens 30 km/h drauf habe“), Fußgängerlogik („Wenn ich zu Fuß gehe, haben immer die anderen Schuld“), Nachbarlogik („Da der Typ von unter mir ja nachts eh schläft, hört er die laute Musik dann ja nicht“), Türsteherlogik („Du kommst nicht rein, weil das ist so“), Karnevalslogik („Ich habe eine rote Pappnase im Gesicht, also bin ich lustig“) und so weiter und so fort.

Was wir aber alle kennen, das ist die Alkohollogik. Und da habe ich jüngst wieder etwas Wichtiges gelernt:

A: „Was ist den los? Letztes mal warst du nach zwei Gin Tonic vollkommen betrunken und heute merkt man dir überhaupt nichts an. Wie kommt das denn?“
B: „Heute hatte ich vorher einen Liter Bier als Grundlage.“

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Das Internet des Dorfes. Hier wird noch Klartext geredet und respektvoll miteinander umgegangen. Und immer geht es um wichtige Themen. Themen, die die Menschen bewegen.

Killer Pilze und Tokyo Hotel

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Habe mal wieder was Schönes geträumt, dass mein Innerstes nicht allzu sehr entblöt und daher mitteilungsggeignet ist. Und auch ein schönes Beispiel dafür, dass man doch ne Menge von dem, was einen über den Tag so beschalllt, mit in den Schlaf mit.

Und zwar ging es im Traum um den Junggesellenabschied in Berlin, wo ich neulich war, bzw. um eine sehr ähnliche Veranstaltung, bei der ich eben NICHT zugegen war. Aber die Jungs wollten mich trotzdem gerne daran teilhaben lassen und riefen mich wiederholt und mit steigendem Alkoholpegel über Skype an.

Der Clou war, dass es für mich einen Ersatzmann gab. Einer von der Truppe, der in Berlin wohnt und nicht nur zu Besuch war, brachte einen Saufkumpel mit. Und dieser Saufkumpel, der hatte lustigerweise eine ungeheure Ähnlichkeit mit Lukas Podolski. Und der zunehmend besoffener werdende Mob machte sich da einen unheimlichen Spaß draus, in den Skypeanrufen so zu tun, als sei das tatsächlich Lukas Podolski. Zu allem Überfluss wurde er konsequent „Freund Poldi“ genannt. Das klang dann so ein bisschen wie „Bruder Ralf“.

Jedenfalls kamen dann ständig Videoanrufe, in denen „Freund Poldi“ irgendwas wichtiges zu sagen hatte. Oder in denen man mir mitteilte, man müsse noch eben warten, bis „Freund Poldi“ aus dem Späti an der Ecke von seinem Vetter ne Pulle schwarzgebrannten Schnaps geholt hat.  Oder in dem man live mitansehen konnte, wie die Truppe aus dem Laser-Game rausflog, weil „Freund Poldi“ anstelle des Lasergewehrs eine Steinschleuder benutzte. Oder wo „Freund Poldi“ als katholischer Pfarrer verkleidet den bereits vor Alkohol besinnungslosen Bräutigam mit der Tochter eines örtlichen saudi-arabischen Fischbudenbesitzers vermählte. Und dergleichen. „Freund Poldi“ war jedenfalls sehr aktiv.

Im Traum war mir es aus irgendeinem Grund vollkommen klar, dass „Freund Poldi“ nicht der echte Lukas Podolski war. Deswegen riss mich das alles nicht so vom Hocker. Ein anderer Kumpel aus Ostfriesland hingegen, der ebenfalls nicht dabei war und mit mir die Videoanrufe verfolgte, der hatte das nicht auf dem Schirm. Zunächst war er begeistert: „Geil, die saufen mit Lukas Podolski.“ Dann überwog das Selbstmitleid: „Die saufen mit Lukas Podolski und ich bin nicht dabei!“ Nach und nach nahm dann aber die Missbilligung des Gesehenen zu: „Der ist doch ein Vorbild für so viele junge Menschen, der sollte doch sowas nicht machen.“

Das letzte, an das ich mich aus diesem Traum erinnere, ist der zutiefst empörte Kumpel, der ob der über Skype mitverfolgten Geschehnisse etwas unternehmen wollte und versuchte, den Bundestrainer anzurufen…

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Im tiefsten Brandenburg. Temmo und die Berliner Rasselbande sind am Boßeln. Ein Auto hält an, die Scheibe wird heruntergelassen und die Fahrerin fragt: „He, wat is’n dit für ne Fahne?“ Temmo antwortet: „Das ist die Flagge von Ostfriesland.“ Da sagt die Frau: „Ah, Ossis.“ Und fährt weiter.

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Wie man es macht, man macht es sowieso falsch. Auf der Arbeit werfen se mir noch vor, dass ich das Maul zu weit aufreiße, aber meine Zahnmedizinstudentinnen beklagen sich dann über meinen zu kleinen Mund.

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Habe in der Bibliothek eine gebrauchte Teetasse in einem Bücherregal entdeckt. Ich wäre zutiefst empört, wenn ich sie nicht selber vor ein paar Wochen dort vergessen hätte.