Ich habe heute beim Aufräumen festgestellt, dass ich mir schon einmal vor Jahren die Mühe gemacht habe, eine Art Tagebuch zu führen, damals noch ganz altmodisch mit Stift und Papier. Und zwar ging es damals um meinen Schulalltag. Das ganze mag zwar vor allem für Leute interessant sein, die mit mir zur Schule gegangen sind, dennoch möchte ich euch allen dieses Juwel nicht vorenthalten. Das ganze aber nur in Auszügen mit mehr oder weniger großen zeitlichen Lücken, ansonsten wäre das doch ein wenig viel…

Nur noch mal zur Sicherheit vorher: Das ganze ist natürlich überspitzt dargestellt und häufig sehr ironisch zu verstehen und soll niemanden beleidigen und so aal…

Die Protagonisten:

„Ich“ – euer Termo, vom Fehn
Heiner – robuster Fehntjer mit einem rostbraunen Golf
Ina – dessen Freundin
Köster – genannt „Porno-Köster“, auch vom Fehn
Joachim – hibbeliges Plappermaul, teilt den meisten Unterricht mit Termo

Die obigen fünf bilden meist die Fahrgemeinschaft, die im Schulweg beschrieben wird. Weitere Mitschüler:

Gerjet – redseliger Spezialist für schlechte Witze, PDS-Mitglied im christlichen Flügel
Eelka – schöne Frau
Bugl – liebenswert, aber bizarr, hinter Eelka her
Volker – genannt „Itzig“
Hilko – wegen ungünstiger Umstände ein Jahrgang zurück
Schaa – bekannt für das erzählen widerlicher Anekdoten

Außerdem wirken mit:

eine Cafeteria – Heimat aller Heimatlosen, in ständiger Bedrängnis durch Unterstufler
ein Sofa – Termos Baby, steht in der Cafeteria
ein paar Hormone
weitere Schüler
verschiedene Lehrer

Kommen wir zum ersten Teil. Wenn auch noch Auszüge aus dem zweiten Teil, der ein gutes halbes Jahr später angesiedelt ist, erwünscht sind, sagt bescheid.

9.3.1998
Heiner ist heute Morgen spät dran und Joachim penetranter Drang, sich lautstark im Auto mitzuteilen ist heute besonders stark. Zu allem Überfluss ist auch noch das Radio kaputt, so dass wir ihn nicht übertönen können. Mit drei von fünf Stimmen haben wir eigentlich schon beschlossen, dass Joachim rausfliegt, aber auf ein Gnadengesuch Inas bleibt ihm ein Fußmarsch erspart.
In der Cafeteria ist mein Sofa besetzt.
1./2. Stunde, Mathe: Ich muss mal wieder feststellen, dass Mathe nicht gerade mein Fach ist. Zum Glück sitzt Köster neben mir, der kann das genauso wenig, da fühle ich mich nicht so doof.
Erste Große Pause: Das Sofa ist schon wieder besetzt. Joachim glaubt mir nicht, dass es bereits geklingelt hat.
3./4. Stunde, Geschichte: Prompt kommt Joachim zu spät. Herr Hildebrandt ist dafür sehr pünktlich. Nebenbei bricht die übliche politische Debatte wieder aus. Sagte ich, Joachim ist penetrant? Ich nehme es zurück, er ist hin und wieder etwas lästig. Penetrant ist der andere Kollege mit seinen Monologen!
Zweite Große Pause: Das Sofa ist erneut besetzt. Das einzig Spaßige hier ist, dass Eelka Floris zum Dank dafür, dass er ihren heißen Tee gehalten hat, diesen über die Finger schüttet.
5./6. Stunde, Religion: Die überflüssigsten Stunden des Tages. Der Kampf um die raren Plätze entbrennt heute nicht, da Dörthe und Rainer sich entschlossen haben, gar nicht erst aufzutauchen. Joachim frißt mir meine Hustenbonbons weg und der Lehrer bestreitet nach wie vor, jemals bei rot über eine Ampel gefahren zu sein. Joachim streitet hingegen ab, jemals im Unterricht gegessen zu haben.
Mittagspause: Ich eröffne Heiner und Ina, dass Joachim nicht mit zurück fährt. Daraufhin läßt Ina die Bemerkung fallen, dass so jemand wie er, der „Trainspotting“ gut findet, ja bescheuert sein muss.
7. Stunde, Politik: Herr Rombald eröffnet die Stunde mit einem guten Witz. Später präsentiert er uns seine Mütze, woraufhin Joachim die Bemerkung entfährt, dass er damit wie ein Autonomer aussieht. Joachim erntet einen bösen Blick.

11.3.1998
Die Autofahrt ist mal wieder das Beste am ganzen Morgen. Leider können wir den Religionslehrer nicht bei einer Verkehrswidrigkeit ertappen. Ein Mitschüler hält erst am Zebrastreifen den ganzen Verkehr auf und überfährt dann fast eine Radfahrerin. In der Cafeteria halten sich die Gespräche heute Morgen trotz Sofaplatzes in Grenzen. Joachim und Schaa tuscheln, der Rest lästert über das „tutengrüne“ Auto des besagten Mitschülers.
1. Stunde, Religion: Der Lehrer unterstreicht seine Verkehrstauglichkeit und stellt seinen Kontrahenten Joachim bloß, indem er lautstark unterstreicht, dass dieser ja noch nicht einmal den Führerschein hat.
2. Stunde, Philosophie: Chinesen essen Hunde, Indianer essen ihren toten Opa und Jesus war mit einer langen Dürren verheiratet. Nicht zu vergessen, dass die Indianer besoffen waren, nachdem sie ihren Opa gegessen hatten, da der Bananenbrei, dem Opa untergemischt wurde, bereits etwas gegoren war. Viel gelacht, viel gelernt, so gehört sich das.
Zweite große Pause: Heiner sorgt dafür, dass Joachim nur etwas von Kösters Cola bekommt, wenn er Ina dafür sein Nutellabrot gibt. Also die üblichen Machtverhältnisse.
Joachim kann der Rückfahrt wegen einer Fahrstunde nicht beiwohnen.

12.3.1998
Das erste, was wir heute Morgen lautstark im Auto erfahren, ist, dass Joachims Fahrlehrer ihn gestern vergessen hat. Außerdem erzählt Joachim nach langer Zeit mal wieder einen seiner kranken Träume, und zwar irgendwas mit Köster und Schaa. Köster hingegen hat heute morgen in der Zeitung eine Anzeige entdeckt, dass jemand unter einem Heseler Postfach Pornodarsteller sucht.
1./2. Stunde, Politik: Herr Rombald bezeichnet Joachim als Würstchen.
3./4. Stunde, Deutsch: Wir widmen uns „dem alten infantilen Kurden“ (Zitat Herr Rudolph) Saladin. Joachim, dem Würstchen, fallen plötzlich mitten in der Stunde die körperlichen Vorzüge einer Mitschülerin auf. Nebenbei nimmt er einem anderen Mitschüler die Batterien aus der Uhr. Dieser bemerkt davon nix, nicht einmal, als Joachim ihn nach der Uhrzeit fragt.
Zweite große Pause: Köster macht die Feststellung, dass Joachim ein Schnorrer ist, was er für eine Hesel-spezifische Eigenschaft hält.
5. Stunde, Mathe: Nix verstäh!

13.3.1998
Vollmond, Freitag der Dreizehnte und die Aussicht auf Latein in der ersten Stunde lassen keine so rechte Freude aufkommen. Bugl benimmt sich in der Cafeteria Eelka gegenüber ungebührlich.
1. Stunde, Latein: Die Hölle. Ein Gesülze sondergleichen. Daniela drückt es sehr treffend aus: „Hauptsache, jeder durfte mal was sagen, egal ob es schon dreimal gesagt worden ist.“
Zweite große Pause: Schaa niest. Pfui Teufel! Wo der hinniest wächst kein Gras mehr. Habe plötzlich keinen Hunger mehr.
4. Stunde, Deutsch: Die Blondinenriege auf der rechten Seite kapiert nix. Außerdem hat Papst Soundso soundsoviele Kinder, die es auch untereinander kräftig miteinander treiben. Das nenne ich Unterricht.
5./6. Stunde, Philosophie: Wir lernen: Der Mond gehört zum Ausland.

16.3.1998
Ina schmeißt im Auto eine Runde Kinderriegel.
1./2. Stunde, Mathe: Was soll ich dazu noch sagen? Die Aufgabe, die Herr Höche uns heute stellt, ist er kaum selber in der Lage zu lösen.
3. bis 6. Stunde, Klausur LK-Geschichte: Draußen haben Arbeiter eine kindliche Freude daran, möglichst viel Krach zu machen. Tolle Wurst. Das abartigeste Getränk hat heute Volker dabei: Kalter Kaffee. Das Unwort der Klausur ist zweifellos „Narodna Odbrana“. Ich gebe um halb eins ab.
In der Cafeteria treffe ich Bugl, der sich etwas sonderbar benimmt. Erst reagiert er auf die Nachricht entsetzt, dass Chor für ihn ausfällt, dann rennt er eine halbe Stunde durch die Schule und sucht Eelka.
7. Stunde, Politik: Wir lernen, dass Köster im Kommunismus keine sinnvolle Tätigkeit ausführen würde. Darüber regt sich Joachim tierisch auf, wie über alles andere heute.
Ich sehe ihn nach der Stunde zum ersten mal Autofahren. Ein ungewohnter Anblick.

17.3.1998
In der Cafeteria bestätigt Joachim fachmännisch seinem Busenfreund Schaa, dass in dessen Beziehung seine Freundin die Hosen anhat. Rainer hingegen berichtet stolz, das er gestern seinen Führerschein gemacht hat, während er eigentlich seine LK-Klausur hätte schreiben sollen.
1./2. Stunde, Bio: Volker versagt bei den Hausaufgaben. Joachim ist schwer erschüttert, als Herr schütze ihm anbietet, den Raum zu verlassen, damit er nicht mehr stört. Die Zwillinge gehen mir auf den Geist.
Erste große Pause: Irgendwas fehlt… Genau! Bugl fehlt! Und seine Frage, ob ich Eelka gesehen hätte.
3./4. Stunde, Deutsch: Eine der Blondinen hat Geburtstag, daher gibt es mal wieder Kuchen und schlechte Witze. Mitten in der Diskussion um die Religionen im „Nathan“ teilt Joachim mir mit, das er sich langweilt. Zur Auflockerung des Unterrichts schlägt er vor, dass die Mädchen sich ausziehen sollen. Mich wundert eigentlich nur, warum Joachims Hormonüberproduktionen immer in die Deutschstunden fallen. Nebenbei lernen wir Schimpfworte wie „Arsch“, „Futzi“ und dass Tjark am zweiten Weltkrieg schuld ist.

18.3.1998
Schah gibt zum besten, dass man ihm gestern einen Reifen zerstochen hat. Außerdem will seine Mutter ihm einen Wikingerzopf machen. Was wäre der Morgen ohne die Cafeteria und Schaa.
1. Stunde, Religion: Joachim und Rainer sind klugerweise nicht da. Doch etwa gegen acht tauchen sie doch noch auf, mit der Begründung, dass Rainer nicht Autofahren kann. Dabei ist Joachim mit UNS gefahren! Dreiste Lüge ohne mit der Wimper zu zucken.
2. Stunde, Philosophie: Eelka hat den Führerschein.
3./4. Stunde, Geschichte: Das Elend in Form eines Mitschülers nimmt seinen Lauf. In seinem Exkurs kommen Tschetniks und Ustascha ebenso zur Sprache wie unser selbsternannter „Finanzjude“ Volker.
Zweite große Pause: Bunger hat seinen Führerschein, Bugl hat seinen Führerschein, Hilko angeblich auch. Nur Joachim…

19.3.1998
Spät dran heute früh. Das Sofa ist besetzt.
1./2. Stunde, Politik: Marx und Engels. Die ollen Kommunisten begreife ich nie
3. bis 6. Stunde, Klausur LK-Deutsch: Draußen lärmen Franzosen. Gerjet und Herr Rudolph lassen es sich nicht nehmen, während der Klausur am Türschloss herumzuschrauben. Ich gebe früh ab, um in der Cafeteria ein Sofaplatz zu ergattern.
7./8. Stunde, Borro-Radio: Ausgerechnet heute, wo wir alle von den Klausuren fix und fertig aussehen, kommt Frau Visser auf die Idee, Photos für unsere Werbeplakate von uns zu machen. Klasse.

20.3.1998
Vor dem Unterricht werden wie üblich die Lateinhausaufgaben gemacht.
1. Stunde, Latein: Man will es nicht glauben, aber in Latein ging es heute um Frösche!
4. Stunde, Deutsch: In unserer Medienbibliothek ist heute Minna von Barnhelm an der Reihe. Zu deutsch: Wie gucken einen Film. Zum Glück wird Joachims Hormonproduktion durch langeweilebedingte Müdigkeit unterdrückt.
Zweite große Pause: Jetzt habe ich zwei Leute am Hals, die an akuter Hormonüberproduktion leiden: Joachim und Bugl. Letzterer glaubt tatsächlich, dass ich nach seiner unfreundlichen Aufforderung den Sofaplatz neben Eelka für ihn räume.
5./6. Stunde, Philosophie: Herr Rombald legt uns detailliert die besten und effektivsten Methoden für den Selbstmord dar. Praxisorientierte Unterricht.

23.3.1998
Köster erzählt uns stolz, dass er heute „Harry VII“ bekommt. Schaa läßt sich den Film gleich bei ihm für den nächsten Dienstag reservieren, da er vorher noch was für die Schule tun will.
1./2. Stunde, Mathe: Kann nix. Höre Geschichten über Bugl, wie er es sich wieder mit einer Frau versaut hat.
Erste große Pause: Bugl amüsiert sich scheinbar ganz prächtig über seine Tat und setzt gleich noch zwei andere geschichten oben drauf, in denen er es sich mit Frauen versaut hat. Er hat aus irgendeinem Grund spaß daran, bei Frauen unangenehm aufzufallen.
3./4. Stunde, Geschichte: Gerjet fabriziert eine ganze Reihe schlechter Witze. Zu allem Überfluss werden auch noch Zeuge von Herrn Henkels Buchausgabesystem. In diesem Zusammenhang streiten sich Joachim und Volker über eine nicht geleistete Unterschrift. Am Ende hat Itzig recht.
5./6. Stunde, Religion: Wir gucken einen Film über sephardische Juden, in dem deutlich zu sehen ist, dass diese am Sabbat besoffen und singend durch die Straßen ziehen. Merke: Pädagogisches Ziel verfehlt.

24.3.1998
Muss heute alleine fahren. Sofa ist Frei. Joachim hat geträumt, dass unser Religionslehrer ein Bussfahrer ist. Uiuiui, und das, wo der doch so verkehrsuntauglich ist.
1./2. Stunde, Bio: Wir lernen: Man braucht 1250 Quadratmeter land, damit ein Mensch eine Kuh essen kann.
3./4. Stunde, Deutsch: Joachims Hormonproduktion setzt wieder ein. Das merkt man daran, dass er dem Traum von heute Morgen auf einmal noch eine Mitschülerin hinzufügt.

25.3.1998
Joachim erfreut unsere Fahrgemeinschaft schon wieder mit der aktuellen erzählung eines Traums. Diesmal hat er geträumt, dass ich fast erschossen worden wäre und Joachim konnte das gerade noch verhindern. Ich wäre fast gerührt gewesen, doch Joachim fügt noch rechtzeitig hinzu, dass er das nur getan hätte, damit ich ihn anschließend noch in die Disco fahren konnte.
Zweite große Pause: Eelka versucht, mich mit Kürbiskernen zu vergiften.
Nach dem Unterricht wird Joachim fast von Schaa überfahren, was Heiner freut. Der hat nämlich tierisch schlechte Laune und lässt sie dementsprechend an Joachim aus. Dieser gibt die seelische Gewalt gleich nach unten weiter, indem er ein paar kleine Mädchen anschnauzt, die im Sperrmüll wühlen.

26.3.1998
1./2. Stunde, Politikklausur: Wir schreiben über den Histomat anhand eines Gedichtes über wandernde Steine und tote Kaiser. Claudia kündigt an, sich ein Beispiel auszudenken. Dies erschüttert Herrn Rombald sehr.
Zweite große Pause: Daniela sitzt auf Joachims Schoß. Darüber scheint Anne sehr entsetzt. Diebische Freude bei allen eingeweihten Anwesenden.
6. Stunde, Bio: ich hasse Zwillinge, Zwillinge gehen mir auf die Nerven, Zwillinge sind doof.
Mittagspause: Ich teile meine Aggression mit Hilko, der ist für sowas immer zu haben.

27.3.1998
Wir sind spät und Heiner ist patzig.
3. Stunde, Geschichte: Per Abstimmung beschließen wir, dass unser Volleyballteam den Namen „Die Weisen von Zion“ trage soll.
4. Stunde, Deutsch: Tjark überlegt sich, den Christenfisch auf Gerjets Tasche mit einem Angelhaken oder eine Bratpfanne zu verzieren.

So viel erstma dazu. Weiteres auf Wunsch.

One Comment

  1. […] Gestern frh auf dem Fuweg zum Bahnhof htte mich ein ehemaliger Lehrer von mir mich beinahe ber den Haufen gefahren. Und hat mich dabei weder bemerkt geschweige denn erkannt. Der war damals schon so ein Verkehrsrowdy. # […]

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